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Alexandria, oder: Die Erinnerung

Wenn du plötzlich, zu mitternächtlicher Stunde,
ein unsichtbares Gefolge vorüberziehen hörst ...
Constantin Cavafy

Alexandria ... warum?

So fragte sich Yusuf Schahin, der aus dieser vielleicht nicht zu beantwortenden Frage einen Film drehte, zur Erinnerung an die Stadt und seine eigene Jugend.

Alexandria ... warum? Vor kurzem hätte sich noch niemand diese Frage gestellt. Als Flugzeuge die Schiffe noch nicht verdrängt hatten, galt Alexandria als unumgängliche Zwischenstation für jeden Reisenden auf dem Weg nach Ägypten. Aber wer fährt heute noch nach Alexandria? In der Eile und dem Durcheinander heutiger Reisen, bei der naiven Suche nach Exotik, unterschätzt man leicht eine Stadt, von der einige Reiseführer dreist behaupten, sie habe dem Besucher nichts Bemerkenswertes zu bieten: keine pharaonischen Altertümer, wenig griechische Ruinen, kein historisches islamisches Stadtviertel. Seit der Revolution 1952 hat Alexandria sogar seine Rolle als Sommerresidenz eingebüßt, den Ruf einer kosmopolitischen Stadt, in deren Mauern sich sämtliche Völker rund ums Mittelmeer, ja aus ganz Europa, vermischten, die Berufung zum Zufluchtsort politischer Emigranten. In Alexandria gibt´s also nichts zu tun. Mal sehen.

Im Grunde entspricht diese Situation dem alexandrinischen Paradoxon. Die afrikanische Küstenstadt liegt auf der Landzunge, die das Brackwasser des Mareotis-Sees von denen des Mittelmeeres trennt. Alexandria war weder afrikanisch noch je richtig ägyptisch; das bezeugt seit der Antike die Art, wie es lokalisiert wurde: ad Aegyptum, bei Ägypten. Durchreisestation oder Endpunkt, Schmelztiegel, in dem sich sämtliche Einflüsse des Orients und des Okzidents untrennbar verbanden. Alexandria rief mit Vehemenz die Begeisterung der einen und die Ablehnung der anderen hervor. So betrachtete das ländliche, auf das Leben am Strom ausgerichtete Ägypten die Stadt lange als Fremdkörper, ein angeflicktes Stück, das nicht einzugliedern war – bis zum Weggang der Fremden, deren Platz längst die zugewanderte Landbevölkerung eingenommen hat.

Wer nach Ägypten gereist ist, um mehr als pharaonischen und islamischen Boden zu betreten, wer neugierig ist auf alles, was auf diesem fruchtbaren Mutterboden gedeihen konnte, sollte sich in Alexandria auf die Suche nach einer nicht ganz in Vergessenheit geratenen Vergangenheit begeben, einer Vergangenheit, welche die Erinnerung im Labyrinth der Straßen wiederzubeleben vermag.




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