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Der Pharao, oder: Die Macht

An der legendären Aura des Königs Menes ist nicht zu rütteln. Wir wissen einfach zu wenig von ihm. Selbst die Ägypter wußten nicht viel. So erscheint er fast als Sagengestalt, dieser König, der das Land mit dem doppelten Gesicht vereinigte, Ober- und Unterägypten. Er bildet gleichsam den Eckpfeiler jener ausgeklügelten Institution des königlichen Pharaonentums. Angeblich gründete Menes die von Mauern gesääumte Hauptstadt Memphis. Auch soll er die Anbetung des Stiergotts Apis( ) eingeführt haben, die sich bis zum Ende des alten ägyptischen Reiches hielt, zusammen mit einer Reihe anderer heiliger Tiere: Katzen, Hunde, Kühe, Fische und Krokodile – Ausdruck eines wachsenden, ausschweifenden Tierkultes.

Glauben wir dem hellenisierten, ägyptischen Priester Manethon, Verfasser einer noch heute von den Ägyptologen verwendeten Königschronik, so folgte auf Menes der Pharao Djoser aus der III. Dynastie. Dem Talent und Genie seines Architekten Imhotep verdankte er die Stufenpyramide von Sakkara, die ihn Schritt für Schritt seinem himmlischen Schicksal entgegenführen sollte. Dieses einmalige Bauwerk wurde seither niemals nachgeahmt. Mit ihm nahm die Epoche der monumentalen Steinarchitektur ihren Anfang.

Der Ruhm der Könige

Vom Süden der Stadt Memphis bis nördlich von Kairo wurde der Rand der libyschen Wüste mit Pyramiden befestigt. Die Dreiergruppe auf dem Gizah-Plateau stellt alle anderen in den Schatten: es handelt sich um Cheops, Chephren und Mykerinos mit ihrer kolossalen Steinhüterin, der Großen Sphinx. Für ihren Bau mußten einst Tausende von Fellachen während der Überschwemmungszeiten Frondienste leisten. Angelegt für die Ewigkeit, erwiesen sich diese Riesen letztlich als nutzlos, da sie wenig später geplündert wurden. Solide Machtverhältnisse und eine stark zentralisierte Hierarchie kennzeichnen jene Zeit; aber auch eine auf Ungleichheit gegründete Gesellschaftsform, eine unüberwindliche Kluft zwischen den Familien der hohen Würdenträger um die Pharaonen und den Ärmsten, die unter der Last von Pyramidenquadern keuchten, welche sie mit bloßen Händen schleppen mußten.

Noch etwas sollte sie für immer trennen: eine subtile Schrift war erfunden worden, die Piktogramme und Phonogramme auf komplexe Weise verband. Religiöse Texte aus ältester Überlieferung schmückten die Grabkammern. Die Tempel-Buchführung wurde auf zerbrechlichen Papyrusrollen festgehalten, von denen das trockene Klima manche wie durch ein Wunder erhalten hat. Doch diese Schrift, einem ägyptischen Mythos zufolge die Schöpfung des Gottes Thot, blieb das Vorrecht und damit das Machtinstrument einer begrenzten Elite. Im Land der Schrift waren fast alle Einwohner Analphabeten.




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